100 Jahre Internationaler Frauentag

Veranstaltungen

Tag der Frau Sinsheim

„Sag danke zu der Frau in dir“, empfahl Gabriele Zappel-Lucke, als sie im Rahmen des hundertsten internationalen Frauentages ihr eigens komponiertes Stück auf der Gitarre vortrug. Der Sinsheimer Frauentreff und der Verein Aufbruch hatten in die Stadthalle eingeladen, um 100 Jahre Kampf um Emanzipation und gleiche Rechte gebührend zu feiern.

Monika Möhring vom Sinsheimer Frauentreff begrüßte alle Anwesenden, und bemerkte, was offensichtlich war: überraschend viele Frauen, aber auch einige Männer, darunter auch SPD-Landtagskandidat Thomas Funk mit seiner Frau, waren der Einladung gefolgt. So fand man Malerin Jutta Ohlenschlager-Anschütz mit ihren Bildern, die Buchhandlung Doll mit Büchern über starke Frauen und Petra Becker von Femina Art mit viel Wissen über Typ- und Farbberatung im Stadthallenfoyer.
Bilder der Malerin Diane Stone-broke waren zu sehen, die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und die Arbeiterwohlfahrt boten Informationen an.

Monika Möhring stimmte zur Eröffnung den Klassiker „Die Gedanken sind frei“ an, Vera Schneider begleitete am Klavier.

Auch Bürgermeister Achim Kessler ließ es sich nicht nehmen, zum Tag der Frauen einige Worte loszuwerden. So stellte er in Frage, ob all die Dinge, die sich Frau bisher erkämpft hat, auch in den Köpfen der Menschen angekommen sind. Daher befürwortet er weiter das Feiern des Frauentags.

Dem schloss sich auch Monika Möhring an, als sie nun damit fortfuhr, den Sinsheimer Frauentreff vorzustellen. Der Frauentreff setzt sich für Frauenparkplätze, aber auch für weibliche Straßennamen ein, denn bisher gäbe es in Sinsheim nur die Nonnengasse. Möhring versetzte sich in die Zeit, als die Frauenrechtlerin Clara Zetkin 1911 zum ersten Mal den Frauentag einführte, zurück. Noch weiter in die Vergangenheit führte Christine Friedrichs als 1848er Revolutionärin Amalie Struve. Ihre politische Betätigung sei damals noch nicht einmal von Revolutionsführer Friedrich Hecker, der ja eigentlich für die soziale und politische Gleichstellung aller kämpfte, gern gesehen gewesen. Amalie Struve habe damals als eine der ersten Frauen Hosen getragen, was ihr zwar den schändlichen Namen Soldatenhure einbrachte, sie aber nicht davon abhielt, die erste Frau in Sinsheim zu sein, die selbstständig ein Geschäft führte.

In Sinsheim gibt es eine Reihe sehr aktiver Frauen, die sich wiederum für Frauen einsetzen; einige davon stellten ihre Arbeit vor.

Dr.Maria Bitenc leitet die Agenda Internationale Begegnung. Sie bemerkte, dass es trotz erster erreichter Etappenziele für die Frau noch viel zu tun gäbe. Bitenc hoffte aber, dass es nicht noch einmal hundert Jahre dauern wird, bis die Frau in der Gesellschaft vollständig gleichgestellt ist.

Inge Baumgärnter, in Sinsheim für die Integration zuständig, berichtete von ihren lehrreichen Erfahrungen mit türkischen Frauen und Hilary Greif von Aufbruch e.V. schlug den Männern vor, nicht immer mit den Frauen im Gegenwind zu stehen, sondern auch einmal still zu stehen.

Monika Hofstätter erzählte von ihrer Arbeit mit den Frauen im Cafe Domino. Schließlich richteten auch Magdalena Fritz und Renate Schmidt von der SPD ihr Wort an alle Gäste. Schmidt bemerkte, dass die Frauen von den Männern überholt werden und forderte endlich Entgeltgleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Dies war keinenwegs eine trockene Reihe von Vorträgen, dazwischen wurde gemeinsam gesungen, Gabriele Zappel-Lucke, die auch mit ihren Entwürfen aus Filz und einigen Kunstwerken vertreten war, trug ein Gedicht vor, in dem sie feststellte, dass nur dann Friede herrschen kann, wenn Mann und Frau am gleichen Strang ziehen. Zum Abschluss der Veranstaltung in der Stadthalle führten Kinder vom tamilischen Tanzkreis ihre Künste vor.

Tags darauf lud die SPD zum traditionellen Kuchenessen in Reihen ein, wo wie immer wieder Rosen verkauft wurden. Magdalena Fritz: „Wenn in Reihen die Frauen mit Rosen gesehen werden, weiß jeder, es ist Frauentag.“.

Isabell Link

 
 

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