Den Menschen besonders nahe

Veranstaltungen

Josip Juratovic (MdB, SPD) zu Gast bei der Sinsheimer SPD

Trotz der sich stetig erholenden Wirtschaft herrscht Unsicherheit am Arbeitsmarkt. Um die aktuelle Sachlage zu beleuchten und damit verbundene Fragen zu beantworten, war am Freitagabend der Heilbronner SPD-Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic auf Einladung von Thomas Funk und Sabine Reithmeyer ins Gasthaus „Linde“ zum SPD-Stadtverband gekommen.

Was Josip Juratovic als Bundestagsabgeordneter auszeichnet ist weniger, dass er als gebürtiger Kroate einen Migrationshintergrund hat, sondern vor allem, dass er als einziger Arbeiter im Bundestag sitzt. Durch seinen ungewöhnlichen Werdegang vom „Fließband in den Bundestag“ gehört er zu den Parlamentariern, die ihre Politik besonders nah bei den Menschen gestalten möchten und den normalen Arbeitnehmeralltag aus eigenem Erleben sehr gut nachvollziehen können. Sein besonderer Einsatz gilt den Hauptschulabgängern, um ihnen einen guten Zugang zum Arbeitsmarkt zu verschaffen und ihnen damit Chancen zu eröffnen. Überhaupt ist Juratovic häufig in Schulen zu Gast und übernimmt dort oftmals für eine Stunde den Gemeinschaftskundeunterricht.

Nach den zurückliegenden Krisenmonaten bescheinigte Juratovic der deutschen Wirtschaft einen Aufwärtstrend, doch dürfe dieser Prozess nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer fortgeführt werden. Eines der Hauptprobleme sei der Trend zur Leiharbeit. Der Bundestagsabgeordnete habe beispielsweise schon oft erleben müssen, dass Arbeitnehmer in Krisenzeiten zunächst entlassen, später aber als Leiharbeiter wieder eingestellt worden seien – und zwar um für weniger Gehalt die gleichen Aufgaben wie zuvor zu verrichten. Diese traurige Entwicklung sei nur zu stoppen durch einen gesetzlich geregelten flächendeckenden Mindestlohn, den der ehemalige Audi-Betriebsratsvorsitzende vor dem Hintergrund der europaweit nahenden Arbeitnehmerfreizügigkeit für unerlässlich hält.

Ein weiterer viel diskutierter Punkt war das Thema Rente. Auch wenn Juratovic Verständnis für die Kritik zeigte, ist aus seiner Sicht gegen die Rente mit 67 solange nichts einzuwenden, sofern Arbeitnehmer dann auch eine reelle Möglichkeit bekommen, tatsächlich so lange zu arbeiten. Zunächst einmal sei es aber überhaupt das ‘Kunststück, in den Arbeitsmarkt reinzukommen. Eigene Erfahrungen aus dem Publikum ergaben, dass selbst mit guten Qualifikationen und niedrigen Ansprüchen oft keine Anstellung zu finden sei. So resultierten Absagen mitunter auch aus der Angst von Arbeitgebern, man könne bald wieder abspringen und einen besser bezahlten Job annehmen. Der Abgeordnete versprach Unterstützung, denn „wo man in Einzelfällen helfen kann, mache ich das gerne“.

Beeindruckt zeigten sich die Anwesenden von Josip Juratovic, der sich den ganzen Abend Zeit genommen hatte und sich jedes Fragestellers annahm. Herzlich dankte ihm SPD-Landtagskandidat Thomas Funk, der sich der Forderung nach weiteren Sozialreformen anschloss. Beispiele dafür seien flexiblere Arbeitszeitmodelle, die Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze und eine Reform des Beamtentums mit dem Ziel, dass künftig alle Sozialabgaben entrichten müssen. Vor allem aber müsse in die Chancen des Nachwuchses investiert werden – schließlich liege in der Jugend unser aller Zukunft.

Katrin Kogel

 
 

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