Ein leidenschaftlicher Kurt Beck machte sich für die Demokratie stark.
Unter dem Titel "Die Demokratie braucht dich" machte er klar, dass die Demokratie noch lange nicht am Ende sei. Derzeit stehe sie unter Druck, sowohl von außen wie von innen. Lange galt die Demokratie in Sachen gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prosperität als überlegen. Angesichts des Aufstiegs von China aber auch anderer autoritärer Systeme könne man das so nicht mehr sagen.

Und dann sorge auch der militärische Druck Russlands samt des hybriden Informationskrieges auf Europa und die doch wahrhaft dramatischen Ereignisse in den USA für eine Art demokratische Verunsicherung. Jedoch, und daran ließ Beck keinen Zweifel aufkommen: "Die Demokratie ist langfristig die überlegene politische Form. Ja, sie ist herausgefordert, aber nicht gefährdet!"

Ganz entscheidend sind für Beck funktionierende Institutionen. Populisten würden stets Institutionen in Zweifel ziehen. Ob man nach Ungarn schaue, in die USA oder hier auf die AfD: Es sei eines ihrer Hauptangriffsziele. "Sie wissen, dass Institutionen die tragenden Säulen der Demokratie sind." Dafür würden sie, so nennt es Beck, "eine Sündenbock-Politik" verfolgen.Eine Politik, die am Ende immer in

einen Abgrund führe und die Gemeinschaft als Ganzes zerstöre. Ja, es gebe Schwierigkeiten, teils sogar wirklich große. Aber sie seien zu bewältigen. Beck, das wurde deutlich, vertraut dem Land und seinen Menschen: "Uns verbindet am Ende mehr, als uns trennt."

Er glaubt auch, dass die meisten Menschen sich einbringen, sich solidarisch zeigen wollen. Woran es mangele? "Anderen Meinungen mit Respekt zu begegnen." Es müsse nicht immer alles herabgewürdigt werden, was nicht der eigenen Meinung entspricht. Freiheit sei immer auch die Freiheit des Andersdenkenden.

Es war eine fulminante Rede, die hier ihre Wirkung nicht verfehlte. Ja, es war im Ländle wenige Wochen vor der Landtagswahl sogar Zuversicht zu spüren. Zwischen den langjährigen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz (1994 bis 2013) und SPD-Chef (2006 bis 2008) auf der einen Seite und seine Zuhörer auf der anderen Seite passte kaum ein Blatt Papier.

Von der Schwächung der gesetzlichen Rente über die nach wie vor nicht beantwortete Frage in Sachen Bildungsungerechtigkeit und der Notwendigkeit einer fairen Erbschaftssteuer bis zu einer anständigen Migrationspolitik gebe es Themen ohne Ende, zu welchen die SPD Antworten habe. In der Diskussion, die locker bis Mitternacht hätte gehen können, wurde denn auch immer wieder betont, wie wichtig es sei, klare Kante zu zeigen. Der Abend endete, wie er begann: mit großem Applaus.