Staffelstab an der Fraktionsspitze weitergereicht

Fraktion

Stuhlrücken in der SPD-Gemeinderatsfraktion - Magdalena Hirzel beerbt Helmut Göschel
Ohne jeden Zweifel sind die Spuren, die der langjährige Vorsitzende der Sinsheimer SPD-Gemeinderatsfraktion, Helmut Göschel, hinterlässt, groß – erdrückend sind sie nicht für die Juristin Magdalena Hirzel, die sich selbstbewusst in die „Pflicht nehmen“ lässt.
Nach dem klaren Votum der sozialdemokratischen Ratsmitglieder übernimmt die Steinsfurterin zur Mitte der parlamentarischen Legislaturperiode das „Vorsitz-Erbe“ Göschels, der sich in die zweite Reihe zurücknimmt, ohne sich jedoch bereits auf das politische Altenteil verabschieden zu wollen.
Es ist ein Novum in der Fraktion der Sinsheimer Sozialdemokraten: Erstmals geht der Staffelstab an der Fraktionsspitze in weibliche Hand über.

Helmut Göschel, der über sieben Jahre der sozialdemokratischen Ratsfraktion vorstand, sah sich politisch wie auch persönlich in der Verantwortung, rechtzeitig das Haus zu bestellen, ehe die Zeitläufe ihn überholten und er seinen Rückzug sowie die Nachfolge nicht mehr selbstbestimmt mitordnen könne.
„Politische Führungsverantwortung ist auf eine langfristige Perspektive angelegt, die über den Tag hinaus trägt, auch und gerade in den eigenen Reihen“, begründete der scheidende Fraktionschef die gezielte Weichenstellung und Neuausrichtung. Eine neue „Handschrift“ sei zudem ein überaus probates Mittel, der Routine, die sich zwangsläufig im Politalltag einschleiche, entgegen zu wirken und Verfestigungen aufzubrechen. „Frischer Wind tut gut“. Die Halbzeit der jetzigen Legislaturperiode sei so in besonderem Maße geeignet, eine Zäsur vorzunehmen, einen Schnitt zu wagen, um der neuen Fraktionsspitze ausreichend Zeit zu belassen, sich einzuarbeiten und – sofern Nachfragebedarf bestehe – auch auf seine helfende Hand zurückzugreifen.
Göschel verdeutlichte, dass er sich lediglich aus der vordersten Front des politischen Tagesgeschäftes zurücknehmen werde, für einen Schwanengesang sei es noch zu früh, da er die Bewerbung um ein erneutes Gemeinderatsmandat in 2009 ernsthaft in Aussicht nehme. „Das Kribbeln, politisch mitzugestalten, ist nach wie vor vorhanden“. Er habe Lust, auf der kommunalpolitischen Bühne weiterzumachen.
Der „Platzmacher“, wie Göschel launig sich selbst titulierte, unterstrich, dass er zukünftig weder der heimliche noch gar der unheimliche Vorsitzende aus dem Hintergrunde sei, der die Fäden weiter spinne. „Die Rolle des Königsmachers wie die des Königsmörders ist meine Sache nicht“, bekannte Göschel sich unmissverständlich zu dem „Leitprinzip der Loyalität“. Als alter Kämpe stehe er aber jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung, lasse sich selbstredend einbinden und in die Pflicht nehmen um der Sache und der Fraktion willen. Er verabschiede sich von einem Amt, das demokratisch auf Zeit vergeben wurde, nicht aus dem Leben, wehrte Göschel vorbeugend etwaige Abschiednahmen ab.

In seiner Rückblende durch die zurückliegenden „Amtsjahre“ blätterte Göschel in vielen Seiten der Kommunalpolitik wie der Fraktionsarbeit, verbuchte so manche Erfolgsgeschichte auf der Habenseite der SPD-Fraktion, erinnerte an die lokalen Dauerbrenner und steinigen Entscheidungsfindungsprozesse im Stadtparlament.
Obenan erinnerte er an den „Aufbruch Sinsheim“, der mit der Wahl Rolf Geinerts zum Oberbürgermeister sowie der Bestellung Achim Kesslers zum Ersten Beigeordneten der Großen Kreisstadt eingeläutet worden sei – beide Wunschkandidaten der SPD-Fraktion. „Sinsheim hat mit der neuen Verwaltungsspitze schwungvoll Fahrt aufgenommen in Richtung Zukunftsfähigkeit“. Abschließend dankte Göschel den Fraktionsmitgliedern für das Vertrauen und den langen Atem, den er ihnen bisweilen abgetrotzt habe. Die ausgiebige Diskussion, das Ausloten aller Stimmen, das gemeinsame Aufspüren von Lösungen, überhaupt das Miteinander seien stets die wegweisende Handlungsleitlinie seines Führungsverständnisses gewesen: Nur um eines eiligen Sitzungsendes willen, sei keine Wortmeldung, kein Einwurf abgewürgt worden.

Seiner Nachfolgerin empfahl Göschel, seine „ausgetretenen Fußstapfen“ zu verlassen, neue Pflöcke einzuschlagen und eigenständige Akzente zu setzen. „Wer in die Fußstapfen seines Vorgängers tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren“, motivierte er seine bisherige Stellvertreterin, neue Pfade zu betreten.

Namens der Fraktionsrunde bedankte sich Werner Töniges bei dem „alten Fahrensmann“, der die Fraktion durch Flauten wie durch Stürme souverän und mit Ausdauer auf Kurs gehalten habe. Die Weise, einen vielstimmigen Mandatsträger-Chor zu einem Höchstmaß an Leistung zu führen, sei ebenso vorbildlich, wie die hohe inhaltliche Qualität seiner Beiträge sowohl innerhalb der Fraktion, wie auch im politisch-öffentlichen Raum, sparte der Laudator nicht mit Superlativen an die Adresse seines Stadtratskollegen.

 
 

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