Sitzung der SPD-Stadtratsfraktion

Fraktion

Weiterhin unterwegs oder endlich sesshaft?
von Holger-Lange
Die Agenda-Gruppe „Haus der Begegnung“ liebäugelt mit dem alten Güterschuppen – Gespräch mit der SPD-Fraktion

Sinsheim. Ein städtebauliches Kleinod ist er nicht, noch weniger freilich ein sinnesbunter Blickfang, der da am Einfallstor der Stadt unwirtlich und ummüllt grüßt: der alte Güterschuppen neben dem Sinsheimer Bahnhofsgebäude, der mangels Nutzung über Jahre nun schon dem Verfall überlassen ist. Und dennoch ist es gerade jener so scheinbar abweisende Leerstand, der die Begehrlichkeit der Agenda-Gruppe „Haus der Begegnung“ nachhaltig weckt: Das brachliegende Vierkantgebäude ist in das Interessensvisier der engagierten Kulturanbieter um Carmen Medini, Mario Zorn und Alex Riederer geraten, wie sie in einem Gespräch mit der sozialdemokratischen Stadtratsfraktion erläuterten.

In ihrem Rückblick blätterten die Agenda-Vertreter die bisherige breite Angebotspalette auf, die das „Haus der Begegnung“ seit der Ingangsetzung der Uridee, eine Begegnungsstätte außerhalb marktwirtschaftlicher Gewinnzwänge zu etablieren, mittlerweile zu einem Markenzeichen auf dem Kultursektor hat werden lassen. Ein Manko freilich verschattet die vorzeigenswerte Bilanz: Die Initiative war fortwährend „unterwegs“, weil ohne feste Bleibestatt. Auch wenn das Anhängsel „Haus der Begegnung unterwegs“ durchaus sinnfällig auf das Prozesshafte, auf die Wandelbarkeit der Kulturarbeit verweise, so sei eine feste Verortung, ein „Haus“ zumal, wichtig als „Zentrum“, als „Startpunkt“, der insbesondere auch mittel- und langfristig Planungssicherheit liefere. Zumeist aber hätten leere Kassen die Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit bereits im Vorfeld ernüchtert, so dass das anvisierte Begegnungsforum ein Wunschgebilde zu bleiben schien, realisierbar vielleicht am Sankt-Nimmerleinstag.

Nun aber blinzele ein Silberstreif am Horizont: Die Tage des Dauer-Provisoriums könnten bald gezählt sein, so die ehrenamtlichen Agenda-Engagierten. Mit dem ehemaligen Güterschuppen ist ein Raumangebot in den Fokus der Gruppe gerückt, das bereits seinen Probelauf zur Zufriedenheit aller durchstanden habe. Zentral gelegen, biete das leerstehende Gebäude durch seinen Zuschnitt vielerlei Nutzungsmöglichkeiten. Insbesondere der „unfertige Charakter“ der Baracke imponiere und komme dem Anspruch der Agenda-Gruppe entgegen, Atmosphäre und Begegnungen wachsen zu lassen, offene Formen auszuprobieren, dem freien Spiel der Kräfte Raum zu lassen. „Der Güterschuppen ist ein Motivationsschub für uns alle“, steckte Frau Medini die Wunschperspektive ab. „Endlich ankommen“, um alle Energie auf die Kulturprojekte hin bündeln zu können und nicht in die mühselige Suche nach kostengünstigen Präsentationsorten zu verschenken. Diese Chance berge das Inaussicht genommene Objekt - langfristig ohnehin, aber auch die kurzfristige Perspektive sei allemal der „Spatz in der Hand“.

Mit Beginn des Jahres sei ein - bislang unbeantworteter – Antrag auf Nutzung an die Stadtverwaltung gerichtet worden, wohlwissend, dass im Rahmen der Sanierung des Bahnhofsumfeldes dem Güterschuppen auch die Abrissbirne drohen könnte. „Wichtig ist jetzt ein Signal seitens der Politik“, um die Hängepartie aufzulösen.
Als „reizvolle und plausible Idee“ bewertete der Vorsitzende der sozialdemokratischen Stadtratsfraktion, Helmut Göschel, das vorgestellte Konzept der Agenda-Gruppe. Der Bedarf an einem multifunktionalen Raumangebot in der Kernstadt sei nachgewiesen groß, mangels „Verfügungsmasse“ aber nicht zu befriedigen. Insofern sei das Güterschuppen-Projekt unbedingt unterstützenswert, zumal kulturelle Vielfalt abseits des kommerziellen Zeitgeistes hier ein etabliertes Zuhause fände. In die Überplanung des Bahnhofsumfeldes sei neben der kulturellen Lücke, die geschlossen werde - überdies mit aufzunehmen, dass dieser wenig ausgeleuchtete Bereich durch die Aufwertung und Belebung aus dem Schmuddeleckendasein herausgeführt werde. Das Sanierungsgesamtpaket, das zu schnüren sei, habe den Güterschuppen als Stätte offener Begegnung im Kern mit ein zu binden. „Wir brauchen hier eine Lösung aus einem Guss“, so Göschel.
Auch Stadtrat Adolf Skrobanek fand nur lobenswerte Worte für das „nimmermüde“ Engagement der Agenda-Gruppe, „allen Widrigkeiten zum Trotz“, und signalisierte seine „vollste Unterstützung“ bei dem Vorhaben, aus dem Notbehelf eine Dauerlösung zu zementieren.. „So nahe war das Haus der Begegnung noch nie“ erhoffte Skrobanek eine breite Zustimmung des städtischen Ratsgremiums.

 
 

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